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Avatar von Magdalena Hess

Omg der erste Hot Take! Ich stimme den Grundlinien voll zu: Die klare Positionierung gegen Gasbohrungen vor Borkum ist sinnvoll und mutiger, als das, was in den letzten Jahren im Bereich Energiepolitik von den Grünen kam, radikale Forderungen wie das 9-Euro-Ticket im Bereich Mobilität sind safe einen Versuch wert, und die Annäherung an die Besteuerung von Flugreisen über den Beginn bei den teuersten Klassen halte ich real für strategisch klug um überhaupt mal mit dem Thema anzufangen.

Dennoch teile ich die Ansicht nicht, dass das bereits eine Strategie darstellt und in dieser Form in der Lage ist, dem fossilen Backlash wirksam etwas entgegen zu setzen. Es ist ein Anstoß für ein besseres inhaltliches Klima-Programm. Für eine tatsächliche Strategie fehlt imo aber die entscheidende Frage: Wie lässt sich mit diesen Inhalten politische Verantwortung erlangen, um sie umzusetzen? Oder auch: Wie machen wir Klima- und Ökologiethemen wieder so salient, dass sie Wahlen entscheiden können?

Mein Hot Take ist, dass um die Salienz zu erhöhen der Fokus auf Verteilungsfragen für die Grünen hier nicht optimal ist – oder besser gesagt, noch gar keine Lösung bietet. Im Bezug auf die Popularisierung ist es aber gerade zumindest der einzige versuchte Lösungsansatz, den ich wahrgenommen habe. Andere Ideen, Klima wieder auf die 1 zu bringen gibts (noch) nicht.

Ich sehe das aus zwei Punkten kritisch:

1. Der Fokus vermittelt ein falsches Bild davon, was wirkliche Klimapolitik in westlichen Industrienationen kosten wird und wie sie tatsächlich aussehen wird. Er verschleiert, dass ein relevanter Teil der Endverbraucher – auch in den oberen zwei Dritteln der Einkommensverteilung – spürbare Abstriche im (normativ als gesetzt empfundenen) Lebensstandard hinnehmen muss. Umverteilung kann Klimapolitik erleichtern, aber sie ist keine Klimapolitik. Die Erzählung "Wir lassen die Reichsten zahlen!" geht nicht auf, an dem Punkt, an dem große Teile der Bevölkerung politische Maßnahmen erleben, die sie als belastend empfinden oder die tatsächlich Kosten für sie verursachen. Und die wird es ja geben. Die Besteuerung der teuersten Flüge mag das Gerechtigkeitsempfinden steigern, kann aber nicht auf Dauer darüber hinwegtäuschen, dass zur Erreichung der Klimaziele auch der reguläre Linienflugverkehr adressiert werden muss und die Grünen auch diese Ambition haben (oder haben sollten, wenn sie es mit dem Klimaschutz wirklich ernst meinen). Maßnahmen gegen die Reichsten sind ein guter Start, aber so zu kommunizieren, als ginge es nur darum, wird uns auf die Füße fallen.

2. Dann ist da noch die Sache mit dem fehlenden Issue Ownership. Verteilungspolitik ist populär, aber für das klassische Wählermilieu der Grünen nicht wahlentscheidend (92% von ihnen geben an, in einer guten wirtschaftlichen Situation zu sein). Die Wählerschaft der Grünen ist Stand jetzt eher liberal und (obere) Mittelschicht - dass die sich von klassischer Umverteilungspolitik angesprochen fühlen ist eher unwahrscheinlich. Umgekehrt gibt es andere Parteien, die, ungeachtet teilweise schlechterer Programmatik, deutlich höhere Kompetenzuschreibungen in dem Bereich haben. Wenn Bezahlbarkeit und Klasse definierendes Thema werden, ist das gut für die Linke, unter Umständen gut für Sozialdemokraten - und in den schlimmsten Fällen gut für Rechte.

Man kann damit natürlich auch andere Dinge versuchen. Menschen, die für Umverteilungspolitik am Start sind auch für Klimapolitik begeistern, zum Beispiel. Da sehe ich tatsächlich aber gerade noch nicht, wie dadurch ein echtes Bewusstsein für Klima als Klima und damit ein inhaltliches Argument für die Grünen gebaut wird (siehe Punkt 1).

Anderer Punkt: Klimapolitik für sozioökonomische Gruppen zugänglich machen, die sie bisher aus Kostengründen ablehnen. Da finde ich aber einen spannenden Punkt, dass das ironischerweise oft Gruppen sind, die Umverteilungspolitik ablehnen und besonders stark auf Prinzipien wie Leistungsgerechtigkeit setzen (Menschen mit geringem Einkommen wählen die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer unsozialen Wirtschaftspolitik).

Zusammenfassend: Inhaltlich solides Fundament, die Frage, wie diese Ansätze in der politischen Praxis dem drohenden fossilen Backlash wirksam entgegentreten können, ist für mich aber noch unbeantwortet. Die Frage, wie wir Klima (als Klima) wieder salient kriegen ist und bleibt - aber, to be fair, daran beißen sich gerade auch alle möglichen Akteure die Zähne aus (und ich wäre fast beleidigt wenn die Grünen mal eben auf ihrem Parteitag da bessere Antworten finden als die Klimabewegung in ihren Strategieprozessen

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Avatar von Jonathan Auer

Finde einen guten Punkt – aber doch kein richtiger Hot take, oder? ^^

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