<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Hottakes]]></title><description><![CDATA[Hottakes]]></description><link>https://www.hot-takes.blog</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!dEJe!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F348195b2-4a46-4a8c-ac42-6f34f0b2361e_500x500.png</url><title>Hottakes</title><link>https://www.hot-takes.blog</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sun, 12 Apr 2026 08:25:13 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.hot-takes.blog/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Hottakes]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[hot-takes@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[hot-takes@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Hottakes]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Hottakes]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[hot-takes@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[hot-takes@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Hottakes]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Digitale Gewalt drängt Frauen aus der Öffentlichkeit - und schließt sie von demokratischer Teilhabe aus.]]></title><description><![CDATA[Oder: Warum ich mehrmals fast meinen Instagram-Account gel&#246;scht h&#228;tte.]]></description><link>https://www.hot-takes.blog/p/digitale-gewalt-drangt-frauen-aus</link><guid isPermaLink="false">https://www.hot-takes.blog/p/digitale-gewalt-drangt-frauen-aus</guid><dc:creator><![CDATA[Magdalena Hess]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 13:48:12 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!dEJe!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F348195b2-4a46-4a8c-ac42-6f34f0b2361e_500x500.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Digitale sexualisierte Gewalt ist schlimm, h&#228;sslich und f&#252;r Betroffene grausam. Sie verlangt dringend nach einer angemessenen rechtlichen Antwort, und es ist ein notwendiger Schritt, dass wir die Debatte dar&#252;ber nun endlich ernsthaft f&#252;hren.</p><p>Ich glaube aber, wir verlieren einen entscheidenden Aspekt aus dem Blick, wenn wir nur aus einer  Perspektive individueller Betrpffenheit &#252;ber das Thema sprechen. <strong>Digitale Gewalt ist ein systematischer Verdr&#228;ngungsmechanismus von Frauen aus der politischen &#214;ffentlichkeit.</strong> Sie dr&#228;ngt Frauen gezielt aus der politischen und gesellschaftlichen &#214;ffentlichkeit &#8211; und schlie&#223;t sie damit von der demokratischen Teilhabe aus. Still, heimlich und brutal.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Danke f&#252;rs Lesen! Abonnieren Sie kostenlos, um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Es ist ein Angriff auf und eine akute Gefahr f&#252;r eine liberale Demokratie.</p><p><strong>Es trifft jede von uns.</strong></p><p>Was meine ich damit? Ich meine, dass digitale Gewalt keine Ausnahmeerscheinung ist, die nur einige Ungl&#252;ckliche trifft. F&#228;lle wie der von Collien Fernandes sind sicherlich ein Extrem, aber um Berichte &#252;ber abgeschw&#228;chte Versionen davon zu schreiben, k&#246;nnte man praktisch jede beliebige Influencerin, Aktivistin oder Politikerin mit einer gewissen Reichweite als Betroffene befragen.<strong> F&#252;r jede Frau, die sich entscheidet, in der &#214;ffentlichkeit zu stehen, ist es lediglich eine Frage der Zeit.</strong></p><p>Es beginnt mit sexistischen Beleidigungen, Abwertungen und Kommentaren &#252;ber den K&#246;rper. Es setzt sich fort in Sexualisierung, anz&#252;glichen und &#252;bergriffigen Nachrichten. Es gipfelt in schriftlich ausformulierten Vergewaltigungsfantasien oder entsprechenden Fotos als Direktnachrichten. Im schlimmsten Fall folgen Deepfakes. Digitale Vergewaltigung.</p><p>Und das Traurige ist: Es gibt keine effektive Handhabe dagegen. Anzeigen haben selten Aussicht auf Erfolg. Doch selbst wenn sie erfolgreich sind, machen sie das Geschehene nicht ungeschehen. Sie verhindern nicht, dass man am n&#228;chsten Morgen dieselben Nachrichten lesen muss. Es sind schlicht zu viele, um sie individuell zu bew&#228;ltigen. So hart es klingt: <strong>Man muss sich aktiv dazu entscheiden, das auszuhalten - oder man muss sich aus der digitalen &#214;ffentlichkeit zur&#252;ckziehen.</strong> Was in der heutigen Zeit, in der Veranstaltungen live gestreamt und Interviews mit Video-Clips hochgeladen werden, bedeutet, sich aus (fast) gar nicht mehr &#246;ffentlich zu &#228;u&#223;ern.</p><h3><strong>&#214;ffentlichkeit ist nicht sicher.</strong></h3><p>Demokratie existiert nicht ohne die &#214;ffentlichkeit, denn dort handeln wir Meinungen aus. Politik findet im Bundestag und Ministerien statt &#8211; aber eben auch in Talkshows und auf TikTok. Politische Partizipation erfordert Sichtbarkeit. Wer unsichtbar ist, verliert Wahlen. Demonstrationen brauchen Menschen auf B&#252;hnen, die Reden halten. Soziale Bewegungen brauchen Sprecher*innen. Eine Meinung wird im Diskurs nur wahrgenommen, wenn sie laut ge&#228;u&#223;ert wird. Die &#214;ffentlichkeit ist als politisch aktive Person kein Nebenprodukt, das man erduldet, man muss sie aktiv suchen.</p><p><strong>Was bedeutet es also f&#252;r die Demokratie, wenn genau diese &#214;ffentlichkeit f&#252;r mehr als die H&#228;lfte der Menschen in diesem Land kein sicherer Ort ist?</strong></p><p>Ich glaube, es ist kein Zufall, dass erfolgreiche demokratische, progressive Kandidaturen seit Jahren auffallend oft m&#228;nnlich sind, ob Mamdani, Cem &#214;zdemir oder Rob Jetten in den Niederlanden. Es ist leichter, mit einem Mann anzutreten. <strong>Es ist leichter, als ein Mann anzutreten.</strong> Man kann Inhalte platzieren, ohne dass Artikel von Kommentaren &#252;ber Kleidung und Aussehen flankiert werden. Man muss mit weniger Hass rechnen. M&#228;nner sind f&#252;r ihre Haltungen kontrovers &#8211;- Frauen immer auch f&#252;r ihren K&#246;rper.</p><p>Die Entspanntheit und Ruhe, die Offenheit, die oft als Grund genannt werden, warum diese M&#228;nner Wahlen gewonnen haben, ist schwerer zu wahren, wenn man gerade Opfer digitaler Gewalt wird. Als Annalena Baerbock 2021 als Kanzlerkandidatin antrat, wurde ihr von einer Desinformationskampagne eine sexuelle Aff&#228;re mit einem Callboy angeh&#228;ngt, die es nie gab. Es gab reihenweise anz&#252;gliche Kommentare und Bel&#228;stigung. Die Beh&#246;rden, die f&#252;r ihre Sicherheit sorgen sollten, waren &#252;berfordert, weil sie keine Antwort auf diese Art der Gewalt hatten.</p><p>Ich will nicht behaupten, dass M&#228;nner keine Anfeindungen erleben. Hass und Drohungen und auch k&#246;rperliche Gewalt sind ein schwerwiegendes Problem, das besonders linke und progressive Kandidaten unabh&#228;ngig des Geschlechts trifft. Aber f&#252;r Frauen kommt immer eine weitere Dimension der Gewalt und Abwertung dazu, die f&#252;r M&#228;nner (kaum) existiert. Das Ma&#223; an Erniedrigung, das Frauen erfahren, blo&#223; weil sie in der &#214;ffentlichkeit existieren, ist immer gravierend und traumatisierend.</p><p>Liberale Demokratie funktioniert nur, wenn jeder und jede seine Meinung frei sagen kann. Wenn Menschen gleichberechtigt sind. Aber wenn nur die eine H&#228;lfte des Landes sich frei und sicher &#228;u&#223;ern kann, w&#228;hrend die andere H&#228;lfte um ihre eigene Sicherheit f&#252;rchtet, wenn sie ihr Gesicht zeigt, ist das nicht gegeben. Es geht dabei nicht einmal um die Einstellung konkret. Ich spreche nat&#252;rlich selbst aus der Perspektive einer progressiven Frau, aber auch konservative Frauen, linksradikale Frauen, sozialdemokratische Frauen oder liberale Frauen m&#252;ssen die Entscheidung treffen, ob sie in der &#214;ffentlichkeit Dinge aushalten, die nicht so leicht auszuhalten sind &#8211;- oder sich eben zur&#252;ckziehen.</p><p><strong>Dieser R&#252;ckzug ist real.</strong></p><p><strong>Ich habe mehrfach dar&#252;ber nachgedacht, genau das zu tun.</strong> Letztes Jahr, im Vorfeld der Bundestagswahl, gingen Videos von mir sehr viral. Das hat mich gefreut, weil dadurch meine Meinungen viele Menschen erreicht haben. Doch der Erfolg war untrennbar mit einer Welle an Grenz&#252;berschreitungen verbunden, die schwer zu ertragen war. Ich kann bis heute nicht sagen, was M&#228;nner in dieser Zeit mit meinem Gesicht und meiner Stimme generiert haben &#8211; aber basierend auf den Direktnachrichten, die ich geschickt bekommen habe, habe ich eine dunkle Vorahnung.</p><p>Einmal bin ich in einem Forum gelandet, auf Reddit, in dem M&#228;nner dar&#252;ber diskutiert haben, ob ich eigentlich trans bin. Als Mann geboren wurde. Was soll man dazu sagen?</p><p>Bis zur Wahl wollte ich durchhalten. Ich achtete noch penibler darauf, weite Pullover zu tragen; ich passte auf, dass niemand private Bilder von mir teilte. Mein fester Plan war es, Instagram und TikTok zu deaktivieren. Am Ende habe ich mich dagegen entschieden &#8211; aber auch nie wieder so regelm&#228;&#223;ig Beitr&#228;ge geteilt. Ich &#228;u&#223;ere mich nur noch, wenn ich wirklich einen dringenden Anlass sehe, immer h&#228;ufiger auf Textkacheln als in algorithmusfreundlichen Videos. Auf TikTok bin ich kaum noch aktiv. Die Verdr&#228;ngung funktioniert.</p><p>Mit mir sind nat&#252;rlich auch meine Meinungen, Inhalte und Haltungen von TikTok verschwunden.</p><p>Ist es eine kluge Entscheidung, zuzugeben, dass es wirkt? Wahrscheinlich nicht. In meinem Kopf w&#228;re die richtige Antwort auf diese Erfahrungen immer ein &#8220;und jetzt erst recht&#8221; gewesen. Eine selbstbewusstere Version von mir h&#228;tte Bilder in Badekleidung gepostet, starke Meinungen geteilt, sich der Aufmerksamkeit gestellt und sie herausgefordert. &#220;ber die Anfeindungen gesprochen.</p><p>Ich habe nie dar&#252;ber geredet, weil ich immer Angst hatte, dass es alles nur schlimmer macht. M&#228;nnern ohne Anstand, die mich im Internet aus einem Hass heraus sexualisieren, sagen, dass es mir Angst macht, wenn jemand Deepfake-Pornos von mir erstellt - taktisch vielleicht tats&#228;chlich nicht die beste Entscheidung, gegeben, dass es auch rechtlich kaum Wege gibt, dagegen vorzugehen.</p><p><strong>Wenn es schon f&#252;r mich oft fast zu viel ist &#8211; wie ergeht es dann anderen?</strong></p><p>Wie viele Frauen mit Meinungen h&#246;ren wir nicht, weil der Preis der Sichtbarkeit zu hoch ist?</p><p>Wie viele brillante Politikerinnen kandidieren nicht?</p><p>Wie viele Frauen wurden bereits erfolgreich aus dem digitalen Raum &#8211; und in der Folge vielen anderen politischen R&#228;umen &#8211; verdr&#228;ngt?</p><p>Und wie viele werden noch folgen?</p><p>Wie viele M&#228;nner besetzen politische &#196;mter nur deshalb, weil Frauen nicht die Kraft haben, die Begleitumst&#228;nde dieses Amtes zu ertragen? Wie viel Sichtbarkeit genie&#223;en M&#228;nner nur, weil Frauen unsichtbar sind? Wie viel Aufmerksamkeit erhalten sie nur, weil Frauen diese Aufmerksamkeit meiden m&#252;ssen?</p><p>Dabei geht es nicht um etwas, das man einfach mit Quoten l&#246;sen kann. Die Frauen, die sich aus Sicherheitsgr&#252;nden gegen eine Kandidatur entscheiden, erreicht eine Quote nicht. Frauen, die bewusst in die hinteren Reihen abtauchen, lassen sich durch Quoten nicht auf vordere Listenpl&#228;tze zwingen.</p><p>Ich wei&#223;, dass sich viele talentierte, kluge Frauen gegen die Politik entscheiden, weil sie sich gegen den Hass, gegen die Sexualisierung und gegen die Gewalt entscheiden. Je marginalisierter eine Frau ist, desto schwerer wiegt das, was sie mit einer Kandidatur oder einer &#246;ffentlichen Initiative &#8222;einkauft&#8220; und desto wahrscheinlicher ist der R&#252;ckzug ins Private.</p><p>Man verdr&#228;ngt dabei &#252;brigens nicht nur Menschen, man verschiebt auch eine Debatte. Frauen sind im Schnitt progressiver. Sie w&#228;hlen seltener die rechtsextreme AfD und h&#228;ufiger die Linke, die Gr&#252;nen und die SPD. Sie finden Umweltschutz und Klima wichtiger, teilen seltener rassistische Ressentiments. Sie sind h&#228;ufiger f&#252;r hohe Steuern f&#252;r sehr reiche Menschen und kostenlose Kinderg&#228;rten. Sie sind in konservativen Parteien eher diejenigen, die eine Frauenquote gut hei&#223;en und eine Koalition mit Rechtsextremen schlecht finden. Sie sind in progressiven Parteien eher diejenigen, die sich in Grundsatzentscheidungen aus Gewissensgr&#252;nden gegen die eigene Partei stellen.</p><p>Wenn diese Positionen in der &#214;ffentlichkeit unterrepr&#228;sentiert sind und als Meinungen seltener ge&#228;u&#223;ert werden, beschleunigt das den Rechtsruck.</p><h3><strong>Und was jetzt.</strong></h3><p>Nat&#252;rlich gibt es Dinge, die man tun kann, um die Situation etwas besser zu machen. &#220;ber Gesetze und rechtliche Rahmenbedingungen wird viel gesprochen. Wenn Apps, die M&#228;nnern die M&#246;glichkeit geben, Frauen digital zu &#8222;entbl&#246;&#223;en&#8220; oder zu vergewaltigen, verboten werden, sinkt die Zahl dieser &#220;bergriffe. Wenn Plattformen die R&#252;ckverfolgbarkeit von T&#228;tern gew&#228;hrleisten, wird es mehr Verurteilungen geben. Jede Verurteilung steigert die Chance darauf, dass M&#228;nner diese Kommentare und Nachrichten nicht schreiben.</p><p>Isolation macht einen verletzlicher. Ich kann jeder Frau in der &#214;ffentlichkeit nur dazu raten, sich mit anderen Frauen in der &#214;ffentlichkeit anzufreunden. Wir teilen alle dieselben Erfahrungen. Das zu wissen macht es leichter, die Schuld nicht bei sich selbst zu suchen, in der Art und Weise, wie man aussieht, spricht oder sich kleidet. M&#228;nner hassen, wie Frauen aussehen, egal, wie sch&#246;n sie sind. M&#228;nner sexualisieren Frauen, egal, was sie anziehen.</p><p>Und ich glaube, mehr Menschen, mehr M&#228;nner, m&#252;ssen verstehen, dass der Kampf gegen diese Gewalt einer ist, der in ihrem Interesse stattfindet und dass das auch ihr politisches Thema ist. Die Verantwortung, Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Demokratie zu erm&#246;glichen, ist gesamtgesellschaftlich. Was gerade passiert, ist f&#252;r keinen Demokraten und keine Demokratin tragbar. Aber wenn es darum geht, etwas dagegen zu tun, sind es immer wieder Frauen, die eigentlich ganz andere Themenschwerpunkte in ihrer Arbeit haben, die das Thema aufmachen. Das ist nicht in Ordnung.</p><p>Ich m&#246;chte in einer Welt leben, in der ich Frauen uneingeschr&#228;nkt dazu raten kann, auf politische &#196;mter zu kandidieren, ihre Meinung im Internet zu teilen und sich eine Reichweite aufzubauen. So, wie es jetzt ist, finde ich es gro&#223;artig, wenn sie die Kraft dazu haben, aber wei&#223;, dass es viel verlangt ist. Mehr, als man eigentlich aushalten kann.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Danke f&#252;rs Lesen! Abonnieren Sie kostenlos, um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Warum die Scham enden muss]]></title><description><![CDATA[... statt nur die Seite zu wechseln. Ein anderer Blick auf die feministische Debatte]]></description><link>https://www.hot-takes.blog/p/warum-die-scham-enden-muss</link><guid isPermaLink="false">https://www.hot-takes.blog/p/warum-die-scham-enden-muss</guid><dc:creator><![CDATA[Pauline Brünger]]></dc:creator><pubDate>Tue, 24 Mar 2026 21:27:46 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/101cbe73-5350-41c1-b8ec-1bba7cd58abf_2006x1326.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Die Scham muss die Seite wechseln.&#8221; Gis&#232;le Pelicot hat mit diesem Satz feministische Geschichte geschrieben und ganz selbstverst&#228;ndlich pr&#228;gt er jetzt auch in Deutschland die Debatte rund um Collien Fernandes. In Gespr&#228;chen, auf Social Media oder auf Demoschildern. Es ist ein Satz, der die Verantwortung packen und endlich dort hinschieben m&#246;chte, wo sie hingeh&#246;rt: Zum T&#228;ter.</p><p>Ich mache mir trotzdem Sorgen, dass dabei gerade eine eigentlich banale Wahrheit in der Debatte untergeht: <strong>Niemand muss sich daf&#252;r sch&#228;men, einfach nur ein Mann zu sein.</strong></p><p>Ich schreibe das nicht, weil ich denke, dass Feminist*innen so etwas behaupten w&#252;rden. Es reicht aus, dass viele M&#228;nner den Hass und die Wut, die aktuell einer patriarchalen und gewaltvollen M&#228;nnlichkeit entgegen schlagen, als Hass und Wut auf M&#228;nner im Allgemeinen interpretieren. Als eine Aufforderung, sich daf&#252;r zu sch&#228;men, wer sie sind.</p><p>Scham ist ein l&#228;hmendes Gef&#252;hl. Es zielt auf den Kern der eigenen Identit&#228;t, und wer sich f&#252;r sich als Person sch&#228;mt, geht in die Defensive. Dabei brauchen wir doch das Gegenteil. Hear me out.</p><div><hr></div><p>Ich kenne das Muster der Scham aus der Klimadebatte. Immer wenn Klimaaktivist*innen mit Wut in der Stimme f&#252;r ein Ende des Verbrenners oder &#8211; Gott bewahre! &#8211; des &#252;berm&#228;&#223;igen Fleischkonsums pl&#228;dieren, fassen das viele Menschen als eine pers&#246;nliche Verurteilung und Abwertung ihrer Lebensweise und ihrer selbst auf. Angesichts des Ausma&#223;es der Katastrophen in der Welt ergibt es nat&#252;rlich eigentlich Sinn, Fleisch essen oder Autofahren verbieten zu wollen und dar&#252;ber auch in einen harten Konflikt zu gehen. In der Praxis stellt sich dann aber eben doch schnell die Frage, wie klug solche Forderungen in ihrer zugespitzten Form sind, wenn man damit gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung gegen sich aufbringt, die man f&#252;r die Transformation noch braucht. Weil Menschen sich in ihrer Identit&#228;t und ihrem Lebensentwurf nicht gesehen f&#252;hlen. Weil sie keine Lust haben, sich f&#252;r ihr bisheriges Leben zu sch&#228;men.</p><p>In der Klimadebatte haben wir deswegen schon vor Jahren erkannt, <strong>dass es wenig bringt, ein systematisches Problem zu individualisieren.</strong> Ja, schlussendlich muss sich die Transformation in eine Verhaltens&#228;nderung jedes Einzelnen &#252;bersetzen. Aber diese Ver&#228;nderung muss politisch, gesellschaftlich und auch kulturell getragen werden.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><strong>Man darf sich dar&#252;ber &#228;rgern, wie dumm und unfair das alles ist.</strong> Warum m&#252;ssen wir beim Klima R&#252;cksicht auf die Gef&#252;hle derer nehmen, die mit ihrer Lebensweise unsere Natur zerst&#246;ren? Warum m&#252;ssen wir Frauen bei allem, was uns angetan wird, jetzt auch noch die Vern&#252;nftigen und Wohl&#252;berlegten sein? Ich finde es zum Kotzen.</p><p><strong>Aber am Ende ist es mir wichtiger, dass wir gewinnen, als dass wir einfach nur Recht haben.</strong></p><p>Ja, Gewalt gegen Frauen muss juristisch und rechtsstaatlich umfassender verfolgt werden. Wenn wir wollen, dass unsere Gesetze wirklich eine abschreckende Wirkung entfalten, muss auf eine Straftat auch eine Verurteilung f&#252;hren. Das passiert gerade nicht und muss sich endlich &#228;ndern. Aber hier d&#252;rfen wir nicht aufh&#246;ren.</p><p>Wir m&#252;ssen an der Wurzel des Problems anpacken. Insbesondere in Partnerschaften geschieht sexuelle Gewalt gegen&#252;ber Frauen oft aus einer Anspruchspruchshaltung heraus, die tief mit einem patriarchalen Verst&#228;ndnis von M&#228;nnlichkeit verkn&#252;pft ist. Auch Deepnudes von Partnerinnen zu verbreiten, dient <a href="https://www.zeit.de/gesundheit/2026-03/sexuelle-gewalt-beziehungen-maenner-psychologie-judith-iffland">laut der Psychologin Judith Iffland</a> oft dem Ziel, sich der eigenen M&#228;nnlichkeit zu vergewissern. <strong>Wenn wir wollen, dass die Gewalt nicht nur st&#228;rker bestraft wird, sondern tats&#228;chlich endet, dann m&#252;ssen wir also an diese tiefsitzenden Vorstellungen von M&#228;nnlichkeit ran &#8211; und daf&#252;r brauchen wir, nicht nur, aber auch, M&#228;nner.</strong> Denn vor allem sie sind es, die sich reflektieren und ver&#228;ndern, die M&#228;nnlichkeit und damit auch ihre eigene Identit&#228;t neu definieren m&#252;ssen. Das ist keine leichte Aufgabe.</p><p>Die gro&#223;e Frage lautet doch: <strong>Wie k&#246;nnen wir eine kritische Auseinandersetzung mit toxischer und gewaltvoller M&#228;nnlichkeit erm&#246;glichen, die M&#228;nner nicht l&#228;hmt, sondern aktiviert?</strong></p><p><strong>Ich bin mir sicher, dass Scham uns dabei nicht weiterbringt.</strong> Wenn M&#228;nner bemerken, dass auch sie tief in sich patriarchale Rollenbilder verankert haben oder sich daran erinnern, sich in der Vergangenheit falsch verhalten zu haben, dann w&#252;nsche ich mir nicht, dass sie sich f&#252;r zwei Sekunden sch&#228;men, nur um dann &#252;berfordert von ihren Emotionen TikTok &#246;ffnen. Ich w&#252;rde mir w&#252;nschen, dass sie innehalten und ganz neugierig, interessiert und offen fragen: Wo kommt das her? Warum habe ich das gemacht? Dass sie die M&#246;glichkeit haben, diese Gedanken mit anderen zu besprechen, ohne Angst davor haben zu m&#252;ssen, f&#252;r Gedanken und Glaubenss&#228;tze, die ihnen seit ihrer Kindheit durch ein patriarchales System eingebl&#228;ut wurden, verurteilt und ausgegrenzt zu werden. Das ist eine individuelle Aufgabe. Aber es ist auch die Aufgabe einer feministischen Bewegung f&#252;r die R&#228;ume und Ressourcen zu k&#228;mpfen, die diese kritische Selbstreflexion erm&#246;glichen.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/warum-die-scham-enden-muss?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/warum-die-scham-enden-muss?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>Und na klar, da wo M&#228;nner zu T&#228;tern werden oder auch einfach nur T&#228;ter sch&#252;tzen &#8211; da braucht es Konsequenzen. Wir brauchen T&#228;ter, die ihre Schuld f&#252;r ihre Handlungen anerkennen und Verantwortung &#252;bernehmen. Eine Tateinsicht kann Ver&#228;nderung ansto&#223;en. Aber was bringt uns tief sitzende Scham au&#223;er Vergeltung?</p><p>Wir sehen seit Jahren eine zunehmende politische Spaltung zwischen M&#228;nnern und Frauen, die sich auch daraus speist, dass sich viele M&#228;nner in ihrer Identit&#228;t und ihrer gesellschaftlichen Stellung bedroht f&#252;hlen. Als Feminist*innen stehen wir vor der Wahl, das entweder als albern abzutun oder anzuerkennen, dass es die gesellschaftliche Realit&#228;t ist, mit der wir arbeiten m&#252;ssen. Ich pl&#228;diere f&#252;r den zweiten Weg. <strong>Notfalls auch mit geballter Faust in der Tasche.</strong></p><p>Dazu geh&#246;rt dann auch, Verantwortung f&#252;r eine differenzierte Debatte zu &#252;bernehmen. Dinge auszusprechen, die man f&#252;r banal und angesichts der Brutalit&#228;t gegen&#252;ber Frauen vernachl&#228;ssigbar findet. Wie zum Beispiel: Niemand muss sich daf&#252;r sch&#228;men, ein Mann zu sein.</p><p>M&#228;nnlichkeit k&#246;nnte etwas Sch&#246;nes und Liebes und F&#252;rsorgliches sein. Daran glaube ich ganz fest. Es liegt auch an uns Frauen, die R&#228;ume und Debatten offenzuhalten, um M&#228;nnern zu erlauben, diese neue M&#228;nnlichkeit ohne Scham zu finden.</p><p>Liebe Gr&#252;&#223;e<br>Pauline</p><div><hr></div><p>P.S. Falls das nicht eh schon klar ist: Nichts von dem, was ich schreibe, ist als Kritik an den vielen Personen gemeint, die sich in den letzten Tagen zum Fall Collien Fernandes ge&#228;u&#223;ert haben. Alles, was dort passiert ist, ist so schrecklich und ekelhaft, dass ich jedes F&#252;nkchen Wut f&#252;r gerechtfertigt und jeden scharf formulierten Satz f&#252;r mehr als legitim halte.<strong> </strong>Meine Punkte sind als Erg&#228;nzung zur Debatte gemeint, in der Hoffnung, dass wir diesen Kampf nicht nur mit Wut im Herzen angehen, sondern auch mit der Entschlossenheit, ihn zu gewinnen. Und ich freue mich wie immer &#252;ber alle Gedanken und Kommentare zum Text!</p><p></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Danke f&#252;rs Lesen! Du kannst unseren Newsletter hier kostenlos abonnieren, um in Zukunft keinen unserer Hottakes zu verpassen &#127775;</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Bezos zahlt die Billig-Bahn]]></title><description><![CDATA[Das Ende der Gr&#252;nen Angstphase: Warum der unvern&#252;nftige 9-Euro-Vorschlag und das Nein zu Borkum genau die richtige Strategie gegen den fossilen Backlash sind.]]></description><link>https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn</link><guid isPermaLink="false">https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn</guid><dc:creator><![CDATA[Jakob Blasel]]></dc:creator><pubDate>Tue, 09 Dec 2025 20:40:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/8c15109b-2432-4144-88a1-37f3f3fe8f0e_5381x3593.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wie angek&#252;ndigt, wollen wir in diesem Substack statt erster Eindr&#252;cke und sprunghafter Reaktionen unsere ernsthaften Analysen mit euch teilen. Mit ein bisschen Abstand m&#246;chte ich mir deshalb noch einmal die neue klimapolitische Strategie der Gr&#252;nen anschauen. nachdem die Idee, man k&#246;nne sich als gr&#252;ne Partei im Windschatten der Klimabewegung lieber auf andere Themen fokussieren, offensichtlich gescheitert ist.</p><p>Die zentrale Idee: Inhaltlich keinen Millimeter mehr zur&#252;ckweichen und trotzdem popul&#228;re Positionen in den Vordergrund stellen. Damit verl&#228;sst die Partei endlich eine seit dem Heizungsgesetz andauernde Angstphase, in der der Klimaschutz aus Sorge vor vermeintlichem Gegenwind immer weiter in den Hintergrund geraten war.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Konkret zeigte sich diese klimapolitische Neuausrichtung der Gr&#252;nen auf dem Parteitag an zwei Punkten:</p><h2><strong>Bezos zahlt die Billig-Bahn</strong></h2><p>Die Gr&#252;ne Jugend hat mit der Wiedereinf&#252;hrung des 9-Euro-Tickets eine Mehrheit auf dem Parteitag f&#252;r einen unvern&#252;nftigen Vorschlag gewonnen und das ist gut so. Unvern&#252;nftig, weil er im Widerspr&#252;ch zu jeder fachpolitischen Einsch&#228;tzung steht: Das 9-Euro-Ticket gilt als schwer zu finanzieren, die Schienen seien ohnehin ausgelastet und billigere Tickets nicht unmittelbar ein klimapolitischer Erfolg.</p><p>Kurzum: Der Vorschlag passt &#252;berhaupt nicht in die aktuelle Realit&#228;t der Bahnpolitik und ist deshalb unvern&#252;nftig im besten Sinne. Es ist der Abschied von einer vermeintlichen Vernunft, die uns dazu bringen soll, unser Verkehrssystem so zu akzeptieren, wie es gerade ist: Marode Schienen, teure Tickets und Geld f&#252;r neue Autobahnen. Die gr&#252;nen Delegierten wagen es, mit dem 9-Euro-Ticket wieder eine Vision aufzuzeigen mit neuen Priorit&#228;ten und Spielregeln in der Mobilit&#228;t. Bezahlbare und klimafreundliche Mobilit&#228;t f&#252;r alle!</p><p>Im Kontrast dazu hat eine Bev&#246;lkerungsgruppe keine Priorit&#228;t mehr: Milliard&#228;re in ihren Privatjets. Diese sollen nun endlich f&#252;r ihren klimasch&#228;dlichen Exzess bezahlen &#8211; mit einer saftigen Ticketsteuer: 420 Euro innereurop&#228;isch und bis zu 2100 Euro bei internationalen Fl&#252;gen pro Person.</p><p>Im Gesamtbild ist die Botschaft klar: Bezos zahlt die Billig-Bahn &#8211; klarer und verst&#228;ndlicher k&#246;nnte der klimapolitische Gerechtigkeitsanspruch nicht sein. Damit wagt die Partei genau das, was Linus Westheuser und Johanna Siebert schon Anfang des Jahres als Strategie gegen den fossilen Backlash fordern: </p><blockquote><p>Endlich &#8222;unten erm&#246;glichen und oben verbieten&#8220;, anstatt die Verteilungsfrage aus Angst vor Konflikten den Rechten zu &#252;berlassen.</p></blockquote><div><hr></div><h2><strong>Seite an Seite mit der Klimabewegung &#8211; Borkum wird gerettet</strong></h2><p>Nach vielem Hin und Her wird auf dem Parteitag auch klar: Die gr&#252;n regierten Bundesl&#228;nder wollen ihren Machthebel nutzen und die Gasbohrungen vor der Nordseeinsel Borkum durch Widerspruch im Bundesrat verhindern. Der Umweltausschuss im Bundesrat lehnt das Gesetz mittlerweile offiziell ab. Das ist ein wichtiger Erfolg, da eine tats&#228;chliche Blockade der Bohrungen einen ersten sichtbaren materiellen Sieg im Kampf gegen fossiles Gas bedeuten w&#252;rde &#8211; mit gro&#223;er Symbolwirkung auch &#252;ber die Klimabewegung hinaus.</p><p>Es ist das Ergebnis von fast zwei Jahren energischer Kampagnenarbeit von Fridays for Future, der DUH und NGOs und Aktivist*innen in ganz Deutschland. Mehr noch zeigt sich hier jedoch, dass die Gr&#252;nen sich langsam wieder in ihrer eigentlichen Rolle einpendeln: Als notwendiger parlamentarischer Arm der Klimabewegung, der die Ideen einer &#246;kologischen Bewegung in tats&#228;chliche Ver&#228;nderung der Gesetzgebung &#252;bersetzt. Eine funktionierende Rollenverteilung zwischen gesellschaftlichen Bewegungen, Verb&#228;nden und Parteien war in der Vergangenheit immer wieder die Voraussetzung f&#252;r klimapolitische Erfolge. Dass die Gr&#252;nen sich nun darauf nun anscheinend zur&#252;ck besinnen, ist ein Hoffnungsschimmer.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p><strong>Kurzum:</strong> Die Gr&#252;nen pendeln sich gerade neu ein: Mit einer klaren Haltung (Klimaschutz, jetzt erst recht!) und neuen Mut. Gerade der Mut ist in den vergangenen Jahren nicht nur der Parteispitze abhandengekommen. Bis an die Basis der Gr&#252;nen (und auch der Zivilgesellschaft) hat sich eine defensive und manchmal &#228;ngstliche Haltung eingeschlichen, die ambitionierten Klimaschutz zum Nischenthema degradiert. Wenn die Partei, die in Deutschland oft die Messlatte f&#252;r klimapolitische Ambitionen setzt, mit Klimaschutz fremdelt, dann ist das ein Problem. Aber die Klimastrategie dieses Parteitages zeigt zumindest in Ans&#228;tzen, wie es besser gehen kann.</p><p>Nicht als fertige L&#246;sung, aber vielleicht als der erste wirksame Bremsklotz gegen den fossilen Backlash.</p><p>Liebe Gr&#252;&#223;e</p><p>Jakob</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Danke f&#252;rs Lesen! Abonniere unseren Blog for free &amp; begib dich mit uns auf die Suche nach dem Ausweg aus der Klimakrise.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/bezos-zahlt-die-billig-bahn/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Willkommen & warum unsere Demos (ungewollt) Friedrich Merz helfen ]]></title><description><![CDATA[&#220;ber die &#8222;Stadtbild&#8220;-Falle, verlorene Diskursmacht, unsere gemeinsame Suche nach dem Klimadiskurs und warum dieser Hottake nicht unser Letzter sein wird]]></description><link>https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos</link><guid isPermaLink="false">https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos</guid><dc:creator><![CDATA[Pauline Brünger]]></dc:creator><pubDate>Thu, 13 Nov 2025 20:35:32 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/53575eec-c217-4e9e-bf33-78cc49cf7cc2_4724x3149.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon faszinierend: Rund um die &#8222;Stadtbild&#8220;-Aussagen des Bundeskanzlers standen in den letzten Wochen (endlich!) erste gro&#223;e Demos gegen die schwarz-rote Koalition auf der Stra&#223;e &#8211; aber blieben im Kern Verst&#228;rker einer menschenfeindlichen Debatte.</p><p>Das ist nat&#252;rlich zugespitzt und hart ausgedr&#252;ckt, denn nat&#252;rlich haben die Proteste viele positive Effekte gehabt: Sie haben wichtige Normen gesch&#252;tzt, Kritik verst&#228;rkt und prim&#228;r bei jungen Menschen auch Einstellungen verschoben. Es bleibt jedoch die Erkenntnis, dass selbst in Momenten vermeintlicher Machtdemonstration der Progressiven weiterhin Chauvinisten, die AfD und ihr Umfeld die Themen der Debatte bestimmen.</p><p>Im Schnelldurchlauf ging es in der &#8220;Stadtbild&#8221;-Debatte also zun&#228;chst um rassistische Ressentiments und Abschiebungen, dann um das Sicherheitsgef&#252;hl &#8220;unserer T&#246;chter&#8221; und am Ende nur noch um &#8220;Angstzonen&#8221; und ordentliche Innenst&#228;dte. Auch auf unseren Gegendemos wurde &#252;ber Arbeitsmarktintegration und Sicherheitsgef&#252;hle gesprochen &#8211; statt effektiv den Fokus weg von Debatten zu lenken, in denen Migration und Sicherheit als Themen unweigerlich verkn&#252;pft sind. Ein Zusammenhang, der, wohlgemerkt, konstruiert ist und keine tats&#228;chliche Evidenzbasis hat.</p><p>Diskussionen um Sparzw&#228;nge, Deregulierung und rassistische Ressentiments dominieren nicht nur die Nachrichten und Social Media, sondern mittlerweile oft auch unsere eigene Bewegungsarbeit. Die Klimakrise, Menschenrechte oder politische Vorschl&#228;ge, die tats&#228;chlich in der Lage sind, gute Lebensbedingungen f&#252;r Menschen weltweit zu schaffen und zu sch&#252;tzen, werden nicht immer, aber oft nur am Rande diskutiert.</p><p>Dass reichweitenstarker Protest gerade vor allem aus Anti-Merz- und Anti-AfD-Demos besteht, ist dabei ein Symptom einer gr&#246;&#223;eren diskursiven Krise, in der die politische Linke sich prim&#228;r durch ihre Abarbeitung am Rechtsruck und den extremen Rechten definiert.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>Dann lieber das n&#228;chste Aufregerthema ignorieren? Schweigen, um die Rechten nicht zu st&#228;rken? Es ist in dieser Zeit oft die beschissene Wahl zwischen einem Einstieg in eine rechte Debatte oder einem Versinken in Bedeutungslosigkeit. Wenn wir uns entscheiden m&#252;ssten, ob wir lieber &#252;ber klimagerechte Politik diskutieren oder uns an rassistischen Parolen von Friedrich Merz abarbeiten, w&#228;re die Antwort einfach. Aber das ist nicht die Entscheidung, die wir aktiv treffen k&#246;nnen. In zu vielen Momenten haben wir die Macht &#252;ber die politische Agenda vollst&#228;ndig verloren.</p><p>In unserem Substack wollen wir &#252;ber die Zivilgesellschaft und die Klimakrise schreiben. Es ist der Anfang unserer Suche nach einer Antwort auf die gro&#223;en, strategischen Fragen, vor denen wir als &#246;kologische Bewegung stehen. Und trotzdem erw&#228;hnt unser erster Text die Klimakrise im ersten Absatz mit kaum einem Wort. Das ist ziemlich symbolisch f&#252;r die &#8222;klimapolitische&#8220; Debatte im Jahr 2025, an die wir ankn&#252;pfen &#8211; und f&#252;r die Herausforderungen, vor denen wir stehen.</p><blockquote><p>Wir teilen zwei zentrale &#220;berzeugungen: Ohne konsequente, klimagerechte und &#246;kologische Politik sind gute Lebensbedingungen f&#252;r Menschen weltweit als Kern linker Politik nicht realisierbar. Und: Ohne eine starke und funktionierende &#246;kologische Bewegung als Motor f&#252;r sozialen Wandel wird diese Politik weder in guten Gesetzen festgeschrieben, noch umgesetzt. F&#252;r beides sah es in der Vergangenheit zwar schon deutlich schlechter aus &#8211; aber Stand jetzt eben auch einmal besser.</p></blockquote><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>Es stimmt zwar nicht, dass die Klimabewegung nichts mehr gewinnt &#8211; der Sieg rund um den Hamburger Zukunftsentscheid beweist das. Trotzdem ist auch dort klar geworden, dass Erfolge nur gegen gr&#246;&#223;te Widerst&#228;nde und mit kleinteiliger Schwei&#223;arbeit gewonnen werden k&#246;nnen &#8211; und nicht mehr durch Momentum und Begeisterung. F&#252;r solche Gef&#252;hle schauen wir heute lieber nach New York, statt ins Plenum. Mamdani Vibes in Hamburg? Nicht mal in Sichtweite! Und, Hand aufs Herz: Wer hat mitbekommen, dass Fridays for Future f&#252;r diesen Freitag in &#252;ber 70 St&#228;dten Aktionen und Proteste anl&#228;sslich der Weltklimakonferenz in Bel&#233;m plant?</p><p>Wir alle haben 2019 die gr&#246;&#223;ten Klimaproteste der Geschichte gemeinsam mit Millionen anderen auf die Stra&#223;e getragen. Seitdem sind wir sehr unterschiedliche Wege gegangen.</p><p><em>Carla hat in den letzten Jahren unz&#228;hlige bundesweite Aktionen und Kampagnen in der Klimabewegung angesto&#223;en, koordiniert und durch strategische Medienarbeit gro&#223; gemacht. Im vergangenen Jahr war sie ma&#223;geblich daran beteiligt, den Gasausstieg als ein n&#228;chstes gro&#223;es Thema auf die Agenda zu bringen, daf&#252;r Strategien zu entwerfen und B&#252;ndnisse zu bauen.</em></p><p><em>Jakob ist seit Tag eins Teil von FFF und hat dort Strukturen aufgebaut, die aus einem Haufen Klimakids &#8211; wie ihm &#8211; eine schlagkr&#228;ftige Bewegung machen. Im letzten Jahr hat er als Bundessprecher der Gr&#252;nen Jugend einen der gr&#246;&#223;ten antikapitalistischen und &#246;kologischen Jugendverb&#228;nde in Deutschland wieder auf stabile F&#252;&#223;e gestellt.</em></p><p><em>Maggy hat &#252;ber mehrere Jahre die bundesweite Social-Media-Kommunikation von FFF betreut und mit Reclaim TikTok und Zusammen Gegen Rechts die gr&#246;&#223;ten Proteste gegen die AfD auf die Beine gestellt. Egal, ob Klimakrise oder Brandmauer &#8211; wer innerhalb von drei Tagen ein Thema gro&#223; machen m&#246;chte, ruft besser Maggy an.</em></p><p><em>Pauline ist in der Anti-Kohle-Bewegung im Rheinland gro&#223; geworden und hat f&#252;hrend an Kampagnen gearbeitet, die am Ende zu einem der gr&#246;&#223;ten Siege von FFF gef&#252;hrt haben: Den Kohleausstieg. Seitdem arbeitet sie daran, die Klimakrise auf den Stra&#223;en, in Fachkreisen oder Talkshows immer wieder zum Thema zu machen, und t&#252;ftelt im Hintergrund an neuen Ideen zur Weiterentwicklung von Bewegungsstrukturen.</em></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Heute stellen wir uns alle vier die Frage, was f&#252;r uns als N&#228;chstes ansteht. Was ist der wirksamste Ort f&#252;r uns, um Klimaschutz und Gerechtigkeit zu erk&#228;mpfen, was sind die besten Strategien? Wie kommen wir von einem Wissen &#252;ber klimapolitische Notwendigkeiten zu realpolitischen Erfolgen, die ihnen gerecht werden?</p><p>Wir kennen die Antwort noch nicht. Aber in diesem Raum wollen wir versuchen, uns ihr anzun&#228;hern, Ideen auszuformulieren, sie wieder zu verwerfen und hoffentlich auf dem Weg gemeinsam kl&#252;ger werden. Hottakes eben!</p><p>Unser Anspruch ist es nicht, Tausende mit unserem Substack zu erreichen, sondern genau diejenigen, die mit uns wieder Menschen auf die Stra&#223;e bringen und an verschiedenen Orten effektiv Mehrheiten f&#252;r klimagerechte Politik erk&#228;mpfen und aufbauen wollen. Unser Anspruch ist es auch nicht, mit unseren Texten die politische Tagesordnung zu bestimmen, sondern gemeinsam nach einer Strategie zu suchen, damit wieder &#252;ber &#246;kologische Kipppunkte anstatt &#252;ber faschistische Abgr&#252;nde diskutiert wird.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Wir w&#252;rden uns riesig freuen, wenn ihr Lust habt, uns auf dieser Reise zu begleiten. Auch wenn wir unsere Ideen und Texte in Zukunft selten zu viert verfassen werden, wollen wir diesen Weg gemeinsam gehen. Es wird gerade dann spannend, wenn wir unsere Texte zwar untereinander diskutieren, aber am Ende jede unserer Perspektiven f&#252;r sich sichtbar wird. Und auch mit euch wollen wir gerne ins Gespr&#228;ch kommen! Schreib uns gerne, was dich gerade besch&#228;ftigt, in die Kommentare hier auf Substack und trag dich f&#252;r unseren Newsletter ein.</p><div class="pullquote"><p>Bis bald!</p><p>Carla, Jakob, Maggy und Pauline</p></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.hot-takes.blog/p/willkommen-and-warum-unsere-demos?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>